| |
Lektüre für den Papst
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Auch Bartholomäus Grill, dem vielfach ausgezeichneten ehemaligen Afrika-Korrespondenten der ZEIT, geht es darum, Tabus zu brechen. Gemeinsam mit dem Pfarrer Stefan Hippler hat er ein kleines, aber explosives Werk verfasst: Gott Aids Afrika". Eine Streitschrift nennen es die Autoren, um im Lauf der Kapitel zu verraten, dass es sich eigentlich um einen Brief handelt. Gerichtet an Papst Benedikt II., den Gegner von Empfängnisverhütung und Kondomen. Als Brief gelesen, löst das Buch hier und da ein stilles Kichern aus: Wenn man sich nämlich den Heiligen Vater bei der Lektüre der Seiten vorstellt, auf denen es um Körpersäfte, Geschlechtsverkehr und Gummi geht. Doch die Spannung, aus der dieser Witz entsteht, ist die eigentliche Botschaft: Warum kommt es uns so komisch vor, dass der Stellvertreter des Schöpfers auf Erden sich mit den Dingen der Schöpfung beschäftigen soll? Hippler, der in Süd-Afrika lebt und eine Aids-Hilfsorganisation aufgebaut hat, nimmt seine eigene, die katholische Kirche, ins Gebet. Er fordert Modernisierung, zumindest aber die Beschäftigung mit dem Thema Aids. Sein Anliegen beginnt bei der Frage, warum ein Mensch erst dem Tod geweiht sein muss, damit ihn die christliche Barmherzigkeit erreicht, und mündet in der Feststellung, dass die Kirche eine ideale Struktur wäre, womöglich die einzig ideale, um Aids wirksam zu bekämpfen. Gott Aids Afrika" informiert über HIV, aber das Buch ruft auch laut, es schreit und es fordert, es klagt an. Und es lacht zuweilen mit mildem Spott. Wie über den deutschen Bischof, der Kapstadt besucht. Angesichts der Realitäten bemerkt er, Erbarmen müsse doch vor Gesetz gehen. Entsetzte Mienen bei seinen Amtskollegen. Er erkennt seinen Irrtum und fragt: Komme ich jetzt auf den Scheiterhaufen?" Keine lustige, aber eine kurzweilige Pflichtlektüre. Ania Faas
Eine Rezension von Ania Faas >
vom 16. Juni 2009 |